Zeitmangel, Dauerstress, das Gefühl, ständig reagieren zu müssen – viele Menschen erleben ihr Leben als beschleunigt und entfremdet. Der Soziologe Hartmut Rosa hat diese Erfahrung nicht nur analysiert, sondern mit seiner Resonanztheorie einen Gegenentwurf entwickelt: ein anderes Verhältnis zur Welt, zu Arbeit, Beziehungen und sich selbst. In diesem Kurs werden zentrale Gedanken aus Rosas Werken – von der Beschleunigungsdiagnose bis zur Resonanztheorie – verständlich erschlossen und miteinander verknüpft. Ziel ist es, die Theorie nicht nur zu verstehen, sondern sie als Orientierungshilfe für das eigene Leben fruchtbar zu machen. Inhalte & Ablauf: 1. Abend: Beschleunigung als Grundproblem der Moderne: Arbeit, Technik, Lebensrhythmen Entfremdung: Warum „mehr“ oft nicht zu „besser“ führt 2. Abend: Resonanz: Was meint ein gelingendes Weltverhältnis? Resonanzachsen: Beziehungen, Arbeit, Natur, Kultur Praktische Resonanzräume Diskussion und Reflexion eigener Erfahrungen
War das Leben in der Antike gemütlicher oder gab es damals schon ähnlich viel Stress wie heute? In Judentum wie Christentum gab es Gruppen, die ein schreckliches Ende aller Weltzeit erwarteten. Wie verbreitet waren solche apokalyptischen Zukunftsszenarien? Wie ging man im Alltag mit den konkurrierenden Zeitrechnungen um, beispielsweise religiös motivierten Zeitrechnungen und politischen Chronologien nach Kaisern oder Konsulen? Wie erfuhren Menschen ganz praktisch, was die Stunde geschlagen hatte und was hatte das alles mit Religion zu tun? Antworten auf alle diese Fragen finden sich in einem größeren Buch, an dem Christoph Markschies arbeitet und dessen Inhalte er kurz gefasst vorstellt. Christoph Markschies ist Professor für Antikes Christentum an der Humboldt-Universität zu Berlin und Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Er wurde u. a. mit dem Hanns-Lilje-Preis der Göttinger Akademie und dem Leibniz-Preis der DFG ausgezeichnet und gehört dem Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste an.
Kann eine Religion, die sich auf göttliche Offenbarung und damit auf überzeitliche Wahrheiten beruft, die veränderbaren Regeln einer pluralistischen Demokratie anerkennen? Was geschieht, wenn religiöse Gebote, demokratische Mehrheitsentscheidungen und individuelle Freiheitsrechte miteinander in Konflikt geraten? Der Vortrag vergleicht Judentum, Christentum und Islam nicht als starre Blöcke, sondern als vielfältige und historisch wandelbare Auslegungstraditionen. An konkreten Konfliktfeldern – etwa religiösem Zionismus und Siedlungspolitik, christlichem Nationalismus und dem Umgang mit sexueller Vielfalt sowie dem beanspruchten Vorrang islamischen Rechts – wird sichtbar, wie „heilige“ Texte politisch gelesen und zur Begründung gesellschaftlicher Ordnungen herangezogen werden. Zugleich richtet sich der Blick auf demokratische Gegenbewegungen innerhalb aller drei Religionen und auf die Frage, wie Gläubige selbst das Verhältnis von Offenbarung, Menschenrechten und pluralistischer Gesellschaft bestimmen. Im Zentrum stehen dabei nicht persönliche Glaubensüberzeugungen, sondern öffentliche Machtansprüche: Welche Rolle darf Religion im politischen Raum spielen? Wann bereichert sie die demokratische Öffentlichkeit – und wann wird aus religiöser Überzeugung ein Anspruch auf verbindliche Ordnung für alle?
Longtermism könnte vorschnell als eine weitere Zukunftsfantasie aus dem Silicon Valley abgetan werden – irgendwo zwischen künstlicher Intelligenz, Kryonik und der Hoffnung auf ein möglichst langes Leben. Doch dahinter steht eine ernsthafte philosophische Frage: Warum sollten Menschen, die erst in hundert oder tausend Jahren leben, moralisch weniger zählen als wir? Der Vortrag beleuchtet die Ideen des Longtermism und ihre Verbindungen zu Effective Altruism, Transhumanismus und der Tech-Welt. Was bedeutet diese Perspektive für Klimawandel, künstliche Intelligenz oder globale Armut? Und was geschieht, wenn das mögliche Leben zukünftiger Generationen gegen das Leid heute lebender Menschen abgewogen wird? Eine Reise von philosophischen Gedankenexperimenten bis ins Silicon Valley – und zu der Frage: Wem gehört eigentlich die Zukunft?
Freiheit gehört zu den großen Versprechen unserer Gesellschaft. Doch je mehr Möglichkeiten uns offenstehen, desto schwieriger kann es werden, eine Wahl zu treffen. Die Freiheit, das eigene Leben zu gestalten, wird dann nicht nur als Geschenk, sondern auch als Überforderung erlebt. Warum fällt es uns manchmal leichter, Erwartungen zu erfüllen, als eigene Entscheidungen zu treffen? Weshalb geben Menschen Freiheit zugunsten von Sicherheit, Bequemlichkeit oder Zugehörigkeit auf? Bereits die Philosophie der Aufklärung beschäftigte sich mit der Frage, warum Menschen mitunter lieber in vertrauter Abhängigkeit bleiben, als das Risiko der Selbstbestimmung einzugehen. Denn: Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit und nicht umsonst zu haben. Sie verlangt Verantwortung, Mut und die Bereitschaft, auch die Folgen eigener Entscheidungen zu tragen. Das gilt für einen Menschen und eine Gesellschaft gleichermaßen. Anhand philosophischer Positionen, lebensnaher Beispiele und gemeinsamer Reflexionen gehen wir der Frage nach, was es heute bedeutet, frei zu sein. Dabei nehmen wir sowohl die Möglichkeiten als auch die Zumutungen der Freiheit in den Blick – und fragen, wie ein selbstbestimmtes Leben gelingen kann, ohne die Verantwortung für andere aus den Augen zu verlieren.
Was macht ein Leben zu einem guten Leben? Gesundheit, Wohlstand, Beziehungen, Freiheit, Anerkennung oder eine sinnvolle Aufgabe? Die Antwort scheint zunächst persönlich zu sein. Doch unsere Vorstellungen vom Glück entstehen nicht unabhängig von der Gesellschaft, in der wir leben. Konsum, Karriere und Selbstoptimierung versprechen Zufriedenheit. Gleichzeitig wächst bei vielen Menschen der Wunsch nach Zeit, Verbundenheit, Einfachheit und einem nachhaltigeren Leben. Aber lässt sich ein gutes Leben überhaupt planen? Ist Glück ein geeigneter Maßstab? Und können wir gut leben, wenn andere den Preis dafür zahlen? Die Veranstaltung greift eine der ältesten Fragen der Philosophie auf und verbindet sie mit Hartmut Rosas Resonanzkonzept. Dabei geht es nicht um ein allgemeingültiges Rezept, sondern um Orientierung: Welche Bedürfnisse sind wirklich unsere eigenen? Welche Bedeutung haben Maß, Verantwortung und Gemeinschaft? Und welche gesellschaftlichen Bedingungen ermöglichen Menschen ein selbstbestimmtes und zugleich verbundenes Leben? Ein Abend zum Nachdenken über das, was zählt – und über die Frage, ob ein gutes Leben nur individuell oder immer auch gemeinsam gelingen kann.
