Michel Foucaults Machtanalysen förderten provozierende Einsichten zutage. Das freie Subjekt verstehen wir mit Foucault nicht als etwas selbstverständlich Gegebenes, das Machtverhältnissen gegenübersteht, sondern als etwas, das darin erst hervorgebracht wird. Am Beispiel des Benthamschen Panoptikums zeigt Foucault, wie subtil und weitreichend neuzeitliche Kontrollmechanismen wirken – ein Prinzip, das wir auch auf die modernen digitalen Medien anwenden können. In diesem Sinn wollen wir uns von Foucault dazu inspirieren lassen, ein wenig hinter die Dinge zu blicken.
Richard Rorty kritisiert Foucaults Machtanalyse für ihre politischen Konsequenzen. Indem sie Macht als etwas beschreibt, dem man auf keine Weise entkommt, ebne sie den Unterschied zwischen repressiver Herrschaft und liberaler Demokratie ein. Statt letztere als reformierbare Errungenschaft zu schätzen, würde sich die Foucaultsche Linke folgerichtig auf einen zynischen Beobachterstandpunkt zurückziehen. Die Folgen dieses Rückzugs: Man kämpft nicht mehr für eine Politik der sozialen Hoffnung und überlässt angesichts wachsender Ungleichheit dem Rechtspopulismus das Feld.
